Der Unterschied zwischen Indoor- und Outdoor-Events wird in der Planung häufig unterschätzt. Viele Veranstalter gehen davon aus, dass sich Technik einfach von innen nach außen verlegen lässt. In der Praxis ist das einer der häufigsten Gründe für technische Probleme, Verzögerungen oder sogar Veranstaltungsabbrüche.
Durch unsere Erfahrung mit zahlreichen Outdoor-Events wissen wir, dass Veranstaltungen im Freien eine deutlich andere Herangehensweise erfordern - von der Auswahl der Technik über den Aufbau bis hin zu Sicherheits- und Wetterkonzepten. Regen, Wind, fehlende Infrastruktur und behördliche Auflagen machen eine saubere, vorausschauende Planung unverzichtbar.
Im Folgenden zeigen wir detailliert, worin sich Indoor- und Outdoor-Events technisch unterscheiden und welche Maßnahmen notwendig sind, damit ein Event auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktioniert.
1. Lichttechnik - Kontrolle, Leistung und Wetterschutz
Indoor
Bei Indoor-Events arbeitet man in einer kontrollierten Umgebung. Licht hat hier primär eine gestalterische Funktion.
- Kein Tageslicht, keine Witterung
- Geringe Lichtleistungen reichen meist aus
- Fokus liegt auf:
- Stimmungslicht
- Akzentbeleuchtung
- Effektlicht (Beams, Spots, Gobos)
- Montage an Decken, Traversen oder Stativen ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gegen Wetter
Das Risiko technischer Ausfälle ist gering, solange die elektrische Installation korrekt ausgeführt ist.
Outdoor
Outdoor ist Lichttechnik deutlich komplexer.
Herausforderungen
- Tageslicht „schluckt“ Lichtleistung
- Regen und Feuchtigkeit gefährden Elektronik
- Wind erzeugt mechanische Belastung
- Staub, Pollen und Temperaturschwankungen
Konsequenzen
- Deutlich höhere Lichtleistung notwendig
- Unsachgemäße Montage wird zur Sicherheitsgefahr
Lösungen aus der Praxis
- Einsatz von IP-geschützten Scheinwerfern (mindestens IP65)
- Nicht wetterfeste Geräte ausschließlich:
- unter Überdachungen
- mit professionellen Wetterschutzhauben
- Leuchten leicht geneigt montieren, damit Wasser ablaufen kann
- Stative und Traversen immer:
- beschweren
- zusätzlich sichern
- Keine offenen Stecker oder Kupplungen am Boden
2. Tontechnik - Akustik vs. Reichweite
Indoor
Indoor unterstützt der Raum die Schallverteilung.
- Wände und Decken reflektieren den Schall
- Weniger Lautsprecher nötig
- Geringere Leistung ausreichend
- Bass wirkt intensiver durch Raumbegrenzung
Aber: Schlechte Raumakustik kann Probleme verursachen (Hall, Echo).
Outdoor
Outdoor gibt es keine akustische Unterstützung.
Herausforderungen
- Schall breitet sich ungehindert aus
- Keine Reflexionen
- Wind beeinflusst die Ausbreitung massiv
- Sprachverständlichkeit leidet schneller als Musik
Typische Probleme
- „Hinten hört man nichts“
- Sprache klingt dünn oder unverständlich
- Lautstärke muss stark erhöht werden
Lösungen
- Größere PA-Systeme einplanen
- Mehrere Lautsprecherlinien statt „laut drehen“
- Delay-Lines bei größeren Flächen
- Subwoofer gezielt platzieren, nicht zufällig
- Lautsprecher mit Regenschutz oder wetterfeste Systeme
- FOH-Platz immer überdacht
3. Stromversorgung - der kritischste Punkt Outdoor
Indoor
- Feste Stromanschlüsse
- Bekannte Absicherung
- Kurze Kabelwege
- Geringes Risiko
Outdoor
Strom ist einer der häufigsten Fehlerpunkte bei Open-Air-Veranstaltungen.
Herausforderungen
- Oft keine geeigneten Anschlüsse vorhanden
- Lange Kabelwege
- Feuchtigkeit + Strom = hohes Risiko
- Unklare Absicherung
Typische Fehler
- Haushaltskabel im Außenbereich
- Mehrfachsteckdosen im Gras
- Überlastete Stromkreise
- Kein FI-Schutz
Professionelle Lösungen
- Verwendung von H07RN-F Gummikabeln
- Mobile Stromverteiler mit FI/LS
- Trennung von:
- Licht
- Ton
- Steuerung
- Kabel niemals im Wasser liegen lassen
- Kabelbrücken oder erhöhte Verlegung
- Bei kritischen Events:
- Notstromaggregate
- getrennte Backup-Kreise
4. Wettermanagement - Regen, Wind, Hitze
Indoor
- Wetter irrelevant
- Planung stabil
Outdoor
Wetter ist der größte Unsicherheitsfaktor.
Regen
- Kurzschlussgefahr
- Rutschige Kabel
- Ausfall von Controllern und Netzteilen
Wind
- Gefahr für Stative, Traversen, Banner
- Schwingungen bei Lautsprechern
- Sicherheitsrisiko für Publikum
Hitze
- Überhitzung von Endstufen
- Leistungsabfall bei LED-Technik
- Ausfall von Netzteilen
Praxislösungen
- Überdachte Bühnen und Technikplätze
- Klare Abbruchkriterien (Windstärke, Starkregen)
- Wetter-Tracking am Veranstaltungstag
- Reserveplan bei Wetterumschwung
- Keine Technik ungesichert im Freien
5. Aufbau, Logistik und Zeitplanung
Indoor
- Befestigte Wege
- Kurze Distanzen
- Aufbauzeiten gut kalkulierbar
Outdoor
Herausforderungen
- Wiese, Kies, Sand, Gefälle
- Lange Transportwege
- Schweres Material
- Witterungsabhängige Verzögerungen
Konsequenzen
- Aufbau dauert deutlich länger
- Mehr Personal notwendig
- Mehr Material erforderlich
Lösungen
- Realistische Zeitpuffer
- Frühzeitiger Aufbau
- Bodenplatten für Technikbereiche
- Fahrzeuge möglichst nah an die Fläche
- Klare Aufbau-Reihenfolge
6. Genehmigungen, Auflagen und Verantwortung
Indoor
- Meist Sache der Location
- Wenige externe Vorgaben
Outdoor
Typische Auflagen
- Lärmschutzgrenzen
- Veranstaltungszeiten
- Sicherheitskonzepte
- Abnahmen für Bühne und Strom
Was oft vergessen wird
- Veranstalter haftet
- Technikdienstleister haftet
- Fehlende Genehmigungen können Abbruch bedeuten
Empfehlung
- Frühzeitige Abstimmung mit Behörden
- Dokumentierte Sicherheitskonzepte
- Klare Zuständigkeiten
Fazit
Outdoor-Events sind technisch deutlich anspruchsvoller als Indoor-Veranstaltungen. Regen, Wind, Stromversorgung und Logistik erfordern Erfahrung, geeignetes Material und saubere Planung. Wer Outdoor-Events professionell umsetzt, plant immer mit Reserve - bei Technik, Zeit und Sicherheit. Genau hier entscheidet sich, ob ein Event reibungslos läuft oder scheitert.
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